Praxis Fliegenfischen - im Winter an der Ostseeküste
Eisiger Wind, eiskaltes Wasser, kalte Finger, kalte Füße, kalte Ohren - zugegeben,
das sind keine Vorstellungen, die zum Fliegenfischen Im Winter motivieren.
Andererseits gibt es aber auch warme Wäsche, warme Handschuhe und warme
Socken und, vor allen Dingen, große blanke Winterfische.
Der Winter ist die Jahreszeit, zu der wir regelmäßig die meisten großen

Überspringer an der Küste fangen.
Diese vor Kraft strotzenden dicken silberblanke Forellen sind es allemal wert,

der eisigen Winterkälte zu trotzenund an die Küste zu fahren. Und, ganz ehrlich,
mit der richtigen Kleidung ist ein Wintertag an der Küste auch ohne Fisch
ein wunderbares Naturerlebnis.
Wohin im Winter?
Viele empfehlen, im Winter geschützte Buchten mit einem hohen Süßwasseranteil

aufzusuchen, weil die Forellen extrem kaltes Wasser mit hohem Salzgehalt
meiden. Ich denke, man sollte diese Sache etwas differenzierter betrachten.
Der Salzgehalt in der Ostsee ist generell nicht sonderlich hoch, und besonders
die größeren Forellen haben eher wenig Probleme mit dem kalten Salzwasser.
Tatsächlich sind es eher die kleinen Futtertiere, die sich in die brackigen Bereiche
zurückziehen und somit natürlich auch die Meerforellen anziehen. Solche extrem
ausgesüßten Fjorde und Noore findet man zum Beispiel auf der Insel Als, in
Südjütland oder auf Fünen.
Oft wimmelt es dort im Winter von Stichlingen, Kleinkrebsen und
Borstenwürmern, an denen sich die Forellen vollfressen. An der Küste von
Schleswig-Holstein gibt es solche Bereiche eigentlich nicht. Die Küste ist hier
deutlich offener. Dennoch findet man in den geschützten Buchten auch hier im
Winter relativ viele Forellen. Oft handelt es sich dabei aber um relativ kleine
Fische oder um abgemagerte Fische, die gerade vom Laichen zurück aus den
Flüssen sind. Die blanken Überspringer findet man auch im Winter eher an der
offenen Küste. So lange der Winter mild ist und die Wassertemperaturen im
Oberflächenbereich nicht unter 3 bis 4 Grad sinken, fühlen sich die Fische ohnehin
absolut wohl und kommen regelmäßig zum Fressen unter Land. Man sollte dann
auch im Winter der Kälte trotzen und Stellen mit bewegtem und leicht
angetrübtem Wasser aufsuchen, also sich eher in den Wind stellen als den
Windschatten aufzusuchen.
Wenn das Oberflächenwasser aber irgendwann kälter wird als das Tiefenwasser,
sollte man diese Taktik ändern und Bereiche mit ablandigem Wind vorziehen,
an denen
das kalte Oberflächenwasser weggedrückt wird.
Morgens, mittags, abends oder etwa sogar bei Nacht?
Wann im Winter die beste Tageszeit zum Fischen ist, hängt immer vom aktuellen

Wetter ab. Wenn in klaren Frostnächten die Temperatur extrem sinkt, ist der
frühe Morgen oft nicht sonderlich erfolgsversprechend.
Meistens ist dann die Aktivität der Fische am Nachmittag am höchsten.
Nach einer bedeckten milden Nacht sieht die Situation ganz anders aus.
Dann sind die Forellen häufig schon in den dämmrigen Morgenstunden aktiv und
nutzen die Dunkelheit zum Jagen. Ähnlich ist es am Abend – Wenn nach
Sonnenuntergang die Temperaturen drastisch sinken, sind die
Chancen nicht sehr hoch. Ist der Himmel bedeckt, und die Temperaturen bleiben
relativ konstant, hat man auch noch bei Nacht relativ gute Chancen auf aktiv
jagende Fische. Manchmal trifft man dann auch auf ein paar dicke Dorsche in
Ufernähe.
Welche Fliegen und wie führen?
Auch dazu hören und lesen wir immer wieder seltsame Tipps. Wie zum Beispiel

zu ganz kleinen Fliegen und extrem langsamer Führung. Warum man im Winter
kleine Fliegen verwenden soll, obwohl die Forellen zu dieser Zeit nicht mal vor
den größten Spinnködern zurückschrecken, konnte uns noch niemand plausibel
erklären. Die extrem langsame Führung kommt daher, dass Viele glauben, die
Forellen wären aufgrund des kalten Wasserssonst zu träge, um die Fliege zu
verfolgen.Tatsächlich ist ein Fliegenfischer aber gar nicht in der Lage eine Fliege
so schnell einzustrippen, dass das eine Forelle auch nur im Geringsten fordert.
Unsere Taktik für den Winter heißt:
große Fliegen schnell strippen. Große Fliegen, weil wir es besonders auf die
großen Überspringer abgesehen haben und diese Fische einen größeren Happen
bevorzugen (und dafür auch ein wenig weiter zur Fliege
hinschwimmen). Schnell strippen, um dem Fisch wenig Zeit zum Zögern zu lassen
und damit er hart zupackt und nicht nur vorsichtig hinten anfasst.
Unsere Top Wintermuster sind
Isolde, Polar-Isolde, Bloody Black Isolde und Polar Magnus.
Richtig bekleidet im Winter
Es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung… Deshalb hier dazu auch ein paar
Tipps für den Winter. Wir werden oft gefragt, ob
man auch im Winter eine atmungsaktive Wathose tragen kann, oder ob es dann
besser Neopren sein sollte. Die Antwort ist, wir tragen im Winter nur
atmungsaktive Wathosen, obwohl wir auch Neoprenwathosen im Schrank hängen
haben. Eine atmungsaktive Wathose ist immer so warm, wie das, was man
darunter trägt, und passende Unterbekleidung zu finden, die so viel Luft speichert,
wie eine Neoprenwathose ist kein Problem. So angezogen trägt man Bekleidung,
in der man nicht friert, sich gut bewegen kann und bei der die Körperfeuchtigkeit
nach außen abgeleitet wird. Als wärmende Unterbekleidung für den Winter hat
sich bei uns besonders die Merinowäsche von Woolpower (als erste Schicht
auf der Haut) und die Thermal 300 Fleecebekleidung von Geoff Anderson bewährt.
Woolpower Merinosocken sind auch die erste Wahl, wenn man kalte Füße

vermeiden möchte. Wir haben alles ausprobiert: Neoprensocken, Fleecesocken,
heizbare Einlegesohlen… Nichts funktioniert so gut und zuverlässig
wie dicke Merinosocken mit luftspeichernden Schlingen auf der Innenseite.
Dazu sind die Woolpower Socken noch ausgesprochen pflegeleicht und extrem langlebig. Gegen kalte Hände helfen am besten fingerlose Handschuhe aus Fleece.
Auch da haben wir schon alles durchprobiert. Neoprenhandschuhe sind luftdicht
und lassen die Haut aufquellen wie in der Badewanne.
Außerdem stinken sie nach kurzer Zeit ziemlich widerlich. Wollhandschuhe kann
man nehmen; sie wärmen aber im nassen Zustand nicht sehr. Fleece dagegen
nimmt sehr wenig Wasser auf und wärmt auch noch, wenn es feucht ist.
Bei moderaten Temperaturen reichen einfache Fleecehandschuhe wie die
Simms Headwaters No Finger Gloves. Wenn es mal wirklich extrem kalt ist,
bieten die Simms Guide Windblock Half Mitts einen zuverlässigen Schutz gegen
Kälte und Wind.